Aufrufe
vor 2 Monaten

EF-IT_Ausgabe Frühjahr 2020

  • Text
  • Biometrie
  • Intelligenz
  • Telefon
  • Intelligenz
  • Technik

Der Brexit kommt - Der

Der Brexit kommt - Der Austritt Großbritanniens aus der EU ist beschlossene Sache, jetzt geht es um die Details. Am 3. März haben die Gespräche über die Ausgestaltung der zukünftigen Beziehungen begonnen. Zehn Verhandlungsrunden sind vorgesehen. Offen ist, ob es überhaupt zu einer Einigung kommen kann. Und schon im ersten Gespräch hat sich gezeigt, dass die Briten keinen Wert mehr darauflegen, dass es zu einer Übereinstimmung mit europäischen Gesetzen kommt. Sie vermitteln den Eindruck, dass sie dafür auch Einschränkungen bei Marktzugang für Produkte und Dienstleistungen in Kauf nehmen wollen. Die EU will aber, dass ihre Standards für Arbeits-, Sozial- oder Umweltrecht sowie die Regeln für die Vergabe von Subventionen weiter gelten, um Dumping durch Großbritannien zu verhindern. Im Juni entscheiden die Verhandlungspartner, ob es bis zum November ein Abkommen geben kann – und welche Bereiche ausgeklammert bleiben (weil nur so ein Abkommen in der knappen Zeit geschlossen werden kann). Der Europaabgeordnete Bernd Lange (SPD), im Handelsausschuss und in der Brexit Coordination Group des EU- Parlaments, sieht denn auch Anfang März 2020 „eine 40-prozentige Wahrscheinlichkeit dafür, dass am Ende kein Abkommen zustande kommt.“ Der so genannte ‚Hard Brexit‘ ist noch nicht vom Tisch. Seit dem 1. Februar 2020 ist Großbritannien nicht mehr Nordiren, aber auch für die Bürgerinnen und Bürger der einiges. Nur noch nicht sofort, denn bis zum Jahresend alles noch beim Alten – und laufen die Verhandlungen kommen. Unternehmen sollten die Zeit nutzen, um sich Die Bremsspuren, die der Brexit seit dem Referendum im Juni 2016 im Handel mit Großbritannien verursacht hat, sind deutlich. Die IHK München hat einen Abstieg allein der bayerischen Handelsbeziehungen mit Großbritannien von Platz 5 im Jahr 2015 auf Platz 8 in diesem Jahr ermittelt. Von 2015 bis 2018 ging das Exportvolumen von 15,5 auf 12,8 Milliarden Euro zurück. Die aktuellsten Zahlen für deutsche Unternehmen hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zusammengestellt. Demnach haben diese im Zuge des Brexits deutlich weniger Waren ins Vereinigte Königreich ausgeführt. Von Januar bis November 2019 waren es Waren im Wert von 73,6 Milliarden Euro – drei Milliarden Euro beziehungsweise vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Großbritannien rutschte in den vergangenen drei Jahren von Platz fünf auf Platz sieben der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. In der Automobilwirtschaft, bei den großen Produzenten wie auch den mittelständischen Zulieferern, und im Medizinbereich verlagern sich die Wertschöpfungsketten, die in diesen Branchen besonders integriert und von möglichen Grenzkontrollen besonders belastet sind. Betroffen vom Brexit sind neben diesen Branchen der Maschinenbau, elektrische Ausrüstungen, aber auch Freelancer oder Künstler, die zukünftig viel Zeit für das Bearbeiten von Formularen und Genehmigungen brauchen werden. 2017 waren knapp 460.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt mit Exporten nach Großbritannien betroffen. Unternehmen benötigen Rechtssicherheit und eindeutige Regelungen für einen fairen Wettbewerb, um geschäftliche Entscheidungen treffen zu können. „Während der Übergangsphase haben die Unternehmen jetzt ein bisschen Ruhe wiedergewonnen, aber bis Ende des Jahres wird die Zeit den- 8

was tun? EU-Mitglied. Für Briten, Schotten, Waliser, verbliebenen 27 EU-Länder ändert sich damit e gilt eine Übergangsphase. In dieser bleibt fast über ein Freihandels- und Partnerschaftsabvorzubereiten. Nur wie – und auf was eigentlich? Themen wie CE-Kennzeichnungen, Patente, Finanzvermittler wichtig. Hier gilt es Übergangsfristen zu beachten und Genehmigungsverfahren einzuhalten. „Auch Unternehmen, die keine direkten Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich haben, raten wir dringend, ihre Lieferketten und ihre Handelsbeziehungen überprüfen. Denn selbst wenn sie selbst nicht betroffen sind, können es ihre Lieferanten sein. Sie sollten sich bei ihren Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern erkundigen, ob diese vom Brexit betroffen sind,“ erklärt die IHK- Expertin. noch schnell vergehen, in der man sich auf die neuen Bedingungen vorbereiten kann und sollte“, betont Jessica de Pleitez. Als EU- Referentin in der IHK München und Oberbayern hat sie täglich mit Anfragen von Unternehmern zum Thema Brexit zu tun. Viele Unternehmen wissen nicht, was auf sie zukommt. In der DIHK-Befragung „Going International 2019“ antwortete 49 Prozent der Unternehmen auf die Frage, ob sie sich auf einen Hard Brexit vorbereitet fühlten mit Nein. Sie hätten versucht, sich vorzubereiten, aber die konkreten Auswirkungen für das Unternehmen seien noch unklar. Zum einen stimmt das weiterhin, weil ja noch keine Verträge vorliegen, zum anderen bieten die Industrie und Handelskammern und andere Institutionen umfangreiche Unterstützung. „Im äußersten Fall empfehlen wir Kleinunternehmen, die bisher mit dem Vereinigten Königreich Handel treiben, aber weder die finanziellen Ressourcen noch die Sicherheit haben wie es weitergeht, sich auf andere Märkte hin zu orientieren“, beschreibt de Pleitez. Unternehmen, die Handelsbeziehungen zu Großbritannien unterhalten und sich nicht auf andere Märkte umorientieren wollen oder können, sollten in der Übergangsphase mögliche Risiken und Handlungsfelder identifizieren, wie beispielsweise Zoll, Transport, Besteuerung, Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht. Mehrere IHKs haben eine Checkliste auf ihrer Website, die hilft, die unterschiedlichen Bereiche abzufragen und Handlungsfelder zu erkennen. Je nachdem welche wirtschaftliche Aktivität ein Unternehmen hat, sollten Unternehmer schon jetzt Genehmigungen und Dokumente beantragen. Unternehmen, die beispielsweise Wein nach Großbritannien exportieren, müssen sich bereits jetzt beim Zoll registrieren und eine EORI-Nummer beantragen. Unabhängig von dem Ausgang der laufenden Verhandlungen für die zukünftigen Beziehungen der EU mit Großbritannien werden nach Ende der Übergangsphase weitere Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Datenschutz. Wenige Tage nach dem Austritt aus der EU hat der britische Premier Johnson angekündigt, sein Land von den Datenschutz- Richtlinien, insbesondere der DSGVO lösen zu wollen. Das könnte bedeuten, dass es Änderungen beim Transfer persönlicher Daten geben wird. Unternehmen, die bis jetzt noch keinen Handel mit Drittstaaten (außerhalb der EU) betreiben, sollten sich zudem mit den Zollformalitäten vertraut machen, um nach der Übergangsfrist keine Nachteile zu haben. All diese Maßnahmen sollten Teil einer Brexit- Strategie sein, die alle betroffenen Bereiche umfasst, aber auch die Mitarbeiter frühzeitig auf die veränderten Rahmenbedingungen im Handel mit dem Vereinigten Königreich vorbereitet. Diese Änderungen werden sich insbesondere auf Warenverkehr, Steuern, Versicherungen, Transport und Finanzdienstleistungen erstrecken. Eine wichtige zeitliche Zielmarke für die Strategie-Entwicklung ist der Juni dieses Jahres. Zu diesem Zeitpunkt sollte klar sein, ob eine grundsätzliche Einigung gelingt. Mit ihr könnten Zölle vermieden und der Warenverkehr sowie die Dienstleistungen so reibungslos wie möglich gehalten werden. Angesichts der beschriebenen Schwierigkeiten bei den Verhandlungen scheint dies derzeit unrealistisch. Die Brexit-Strategie sollte daher von Anfang an ein Worst-Case-Szenario beinhalten. Denn wer mit dem Schlimmsten rechnet, kann nicht negativ überrascht werden. g © 3095 651 19 5 - stoc k.a ad obe.com 9

EFIT

EF.IT Winter 2019
EFIT Sommer 2019
EFIT Frühjahr 2019
EFIT Sommer 2018

©1984 –2019 comTeam Systemhausverbund GmbH | Mündelheimer Weg 40 | 40472 Düsseldorf | Tel: +49 (0)211 975 333 27