Benutzerfreundlichkeit

Barrierefreie Software erkennen und einsetzen

Der Übergang zu IT-Lösungen mit besserer Barrierefreiheit kann schrittweise erfolgen. Es mangelt zwar an verlässlichen Prüfsiegeln, aber eine eigene Prüfung ist anhand der hier dargelegten Kriterien leicht möglich.

Unternehmen können Software, die sie einsetzen oder selbst vermarkten, Schritt für Schritt auf Barrierefreiheit prüfen und trimmen. Je nach Einsatzgebiet kann das leichter oder schwieriger zu bewerkstelligen sein. Mit dem Barrierefreiheit-Experten Domingos de Oliveira haben wir einige Tipps zusammengetragen.

1. Selbstprogrammierte Software

Eigene Lösungen, die über Jahre in Unternehmen gewachsen sind, sind oft nur sehr schwer in eine barrierefreie Version zu überführen. Meist ist eine komplette Neuprogrammierung notwendig, denn Barrierefreiheit muss tief im Code verankert werden.

2. Eingekaufte Softwarelösungen

Wenn Software-Lizenzen auslaufen und Neuanschaffungen anstehen, sollten Einkäufer Barrierefreiheit in ihren Kriterienkatalog mit aufnehmen und Anbieter fragen, wie es um die Barrierefreiheit ihrer Lösungen bestellt ist. Danach sollten eigene Angestellte, die mit Einschränkungen leben, die infrage kommenden Lösungen testen, denn auf Herstellerangaben ist nicht immer Verlass.

Vor allem bei amerikanischen Produkten besteht eine höhere Chance, dass sie barrierefrei sind, denn in den USA hat digitale Inklusion eine längere Tradition. So sind dort etwa Behörden verpflichtet, nur barrierefreie Lösungen einzusetzen. Ein verbreitetes und verlässliches Prüfsiegel gibt es bisher nicht.

3. Eigene Software-Angebote

Wer selbst Software entwickelt, sollte Schritte hin zu mehr Barrierefreiheit danach priorisieren, was sich am einfachsten umsetzen lässt und wovon die meisten Menschen profitieren würden. Bei Neuentwicklungen bietet es sich hingegen an Barrierefreiheit von Anfang an mitzudenken. Eine große Hürde besteht aber im Mangel an verfügbarer Expertise, denn entsprechende Weiterbildungsmöglichkeiten für Entwickler sind rar. Wer barrierefreie Software entwickeln will, muss sich das nötige Wissen selbst erarbeiten.

Einfache Prüfkriterien

Auch wer die genauen Anforderungen einzelner Mitarbeiter nicht kennt oder deren Hilfsprogramme nicht zur Verfügung hat, kann Software einem ersten Schnelltest auf Barrierefreiheit unterziehen. Wichtige Kriterien sind:

  • Tastaturbedienung: Sind alle Funktionen per Tastenbefehl erreichbar und ausführbar? Ist sichtbar, wo der Tastaturfokus gerade ist?
  • Eindeutige Buttons: Sind Buttons groß genug und haben Sie einen Tooltip, der erklärt, mit welcher Funktion der Button belegt ist?
  • Hoher Kontrast: Sind Texte und Beschriftungen leicht zu erkennen und heben sich vom Hintergrund ab?
  • Wenig Ablenkung: Ist die Oberfläche übersichtlich und aufgeräumt? Lassen sich Geräusche oder Animationen abschalten und stoppen?
  • Textbasiertes Arbeiten: Gibt es bei Video- oder Audio-Angeboten oder -Konferenzen Untertitel oder automatisch erstellte Transkriptionen?

Analog dazu lassen sich auch Dokumente und Web-Angebote hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit optimieren. Oft reichen kleine Anpassungen der Quelldokumente, um sie für Menschen mit Sehbehinderungen zugänglicher zu machen. Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen sind Angebote in Leichter Sprache eine gute Option.