Branchenreport

Je digitalisierter ein Unternehmen, desto eher beschäftigt es Menschen mit Behinderung

Mehr als jedes zweite Unternehmen beschäftigt Menschen mit Behinderung. Deren Karrierechancen verbessern sich durch die digitale Transformation. Auch alternde Mitarbeiterstäbe fördern den Trend zu mehr Barrierefreiheit.

“Unternehmen, die bereits heute stark auf Digitalisierung setzen, beschäftigen häufiger Menschen mit Behinderung als Unternehmen ohne Bezug zu Digitalisierung.“ Das ist das wichtigste Ergebnis einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW-Report 7/2020). Dafür nahmen Führungskräfte aus mehr als 1200 deutschen Unternehmen mit mindestens einem Angestellten an einer Online-Befragung teil.

Demnach haben in mehr als der Hälfte aller Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren Menschen mit Behinderung gearbeitet. Bei mittelgroßen Unternehmen ab 50 Mitarbeiter sind es sogar mehr als 85 Prozent und bei Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern annähernd 98 Prozent. In sieben von zehn dieser Unternehmen arbeiten Menschen mit einer Schwerbehinderung. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass nicht alle eine vorhandene Schwerbehinderung melden und manche Arbeitnehmer trotz chronischer Erkrankung keine Behinderung beantragen.

Neue Arbeitsmarktchancen

Auffällig ist, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen Menschen mit Behinderung beschäftigt, mit dem Grad der Digitalisierung des Unternehmens ansteigt. Viele, die in den letzten fünf Jahren Menschen mit Behinderung beschäftigt haben, setzen digitale Möglichkeiten gezielt ein, um Mitarbeiter mit Behinderung zu unterstützen, und knapp ein Drittel der Führungskräfte dieser Unternehmen sehen für Menschen mit Behinderung neue Beschäftigungschancen durch Digitalisierung. Das könnte einen großen Schritt nach vorne bedeuten, wenn man den Autoren der Studie folgt: Sollten alle diese Unternehmen tatsächlich mehr Jobs für Menschen mit Behinderung zugänglich machen, „hätte dies sehr positive Auswirkungen auf die Arbeitsmarktchancen.“

Karrierefördernd wirkt sich Digitalisierung auch aus, indem Menschen mit Behinderung digitale Weiterbildungsangebote wahrnehmen können. In rund 40 Prozent aller Unternehmen werten Führungskräfte das als eine Erleichterung im Arbeitsalltag für die betroffenen Mitarbeiter. Laut dem Report des Instituts der Deutschen Wirtschaft kommen digitale Lernangebote Menschen mit Behinderung entgegen, da etwa „zusätzliche Pausen innerhalb des Lernprozesses möglich sind und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit chronischer Erkrankung den Zeitraum des Lernens an für sie unangenehmen Tagen reduzieren können.“ Wer eine Lernbehinderung hat, kann im eigenen Tempo voranschreiten und Lernmaterial einfacher wiederholen als in einem Präsenzseminar.

Barrierefreiheit im Alter wichtiger

Darüber hinaus zeigt sich, dass Unternehmen mit einem älteren Mitarbeiterstab bei Software stärker auf Barrierefreiheit achten. Das dürfte zum einen damit zusammenhängen, dass ältere Menschen öfter eine Behinderung haben, zum anderen verdeutlicht es, dass Barrierefreiheit allen Mitarbeitern zugute kommt. Auch wer nur leicht an Sehkraft oder Hörvermögen verloren hat, profitiert von barrierefreier Software. Wer wegen einer Sehnenscheidenentzündung die Maus nicht mehr bedienen kann, freut sich über die Möglichkeit zur Tastaturbedienung.

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