Kontinuierliche Verbesserung so einfach, dass es Spaß macht.

Magnettafel, PDFs, Excel-Listen und ellenlange Prozesse. So erlebte der Gründer von Everlean als Trainee in einem großen Unternehmen das betriebliche Vorschlagwesen. Niemand wusste wirklich, wie man darauf zugreifen kann. Nach Digitalisierung sah das nicht aus. Yannik Müller wollte etwas Einfacheres und Besseres schaffen. So entstand die Software als universelle browserbasierte App.

Der Gedanke: Jeder Mitarbeiter soll seine Verbesserungsvorschläge über eine einfach zu bedienende Oberfläche ortsunabhängig direkt eingeben können. Die Kommunikationslücke zwischen Mitarbeitern - gerade auch Mitarbeitern, die nicht den ganzen Tag am PC sitzen - und dem Topmanagement soll so geschlossen werden. Das Topmanagement soll mit deren Wissen klügere Entscheidungen treffen und kontinuierliche Verbesserungen im Unternehmen vorantreiben.

Das war vor drei Jahren und everlean gewann Kunden wie Warema, dem europaweit führenden mittelständischen Hersteller für technische Sonnenschutzprodukte. Mit everlean können dort seit 2017 alle Mitarbeiter per PC, Tablet oder Smartphone Verbesserungsvorschläge einreichen. Transparenz wird großgeschrieben: alle Vorschläge erscheinen auf Monitoren, sortiert nach ihrem Umsetzungsstand. Jeder sieht was mit seinen Ideen passiert ist, in welchen Teams sie bearbeitet werden, welche Einsparpotenziale sie bergen – und, ob sich daraus ein Incentive für den Mitarbeiter ergibt. Die Mitarbeiter sind Teil der Veränderungsprozesse im Unternehmen und können mit dem Management interagieren.

Seit Anfang des Jahres ist Michael Zohner der CEO bei everlean. Vor eineinhalb Jahren kam er als Berater mit dem Unternehmen in Kontakt, nachdem er zuvor als Bereichsleiter eines SAP-Dienstleisters Yannick Müller kennengelernt hatte. Zohner ist Informatiker, Müller BWLer. Mit einem frischen Blick auf die Software erkannte er, dass da technisch noch viel mehr geht, dass die Lösung viel mehr noch die Sprache der Mitarbeiter aufgreifen könnte, damit der sein Feedback besser geben könne. Zohner spielte 2019 mit dem Gedanken, sich selbstständig machen und entschloss sich, die Geschäftsführung als Managing Partner zu übernehmen. Er packte sofort an und machte sich ans ReDesign.

Yannick Müller, Founder

Michael Zohner, CEO & Managing Partner

Doch dann kam Corona. Kunden übten sich in Zurückhaltung. Plötzlich musste Zohner seine kleine Firma aus dem Homeoffice im hessischen Langen lenken. Das deutsche Entwicklungsteam sitzt in Limeshain. Das andere wiederum sitzt in Kairo. Das sind Menschen, die er aus seinem früheren Leben bei einem großen Finanzinstitut kennt. „In der Corona-Zeit haben wir ein bisschen weniger Druck, aber auch weniger Geld. Wir haben jetzt mehr Zeit zum Nachdenken über die Verbesserungen. Und dazu, diese umzusetzen,“ so Zohner.

everlean soll kontinuierliche Verbesserungsprozesse intuitiv unterstützen, Was auch deswegen dringend nötig ist, weil ca 80 Prozent der deutschen Unternehmen keinen solchen Prozess haben, sondern einmal im Jahr sich zwei, drei Maßnahmen heraussuchen und dann wenige Verbesserungen einleiten. Dafür wird die Software in Zukunft noch modularer, sodass der Kunde zwischen den Modulen Ideenmanagement, Innovationsprozess und BVW wählen oder auch alle Bestandteile verwenden kann.

So will everlean einen richtigen Innovationsprozess befeuern, u.a. mit künstlicher Intelligenz, die Ideen der Mitarbeiter computergestützt veredeln soll und einer cloudbasierten Kollaborationsplattform.

Die Krise als Chance begreifen ist eine viel benutzte Redewendung dieser Tage. Das Beispiel von everlean zeigt, dass das nicht eine hohle Phrase ist, sondern wahrscheinlich der beste Weg, um aus der Situation das Beste zu machen.