Digitalisierung

Was im Bildungsbereich besser laufen muss

Schlechte Noten für den Distanz- und Hybridunterricht: In der Corona-Pandemie zeigten sich in vielen Schulen teils eklatante organisatorische und technische Lücken, deren Schließung nur schleppend voranschreitet. Was braucht es, damit die Digitalisierung im Bildungsbereich doch noch zum Erfolgsmodell wird?

Vielen Eltern wird das „Homeschooling“ im Frühjahr 2021 dauerhaft in Erinnerung bleiben. Ruckelnde Videokonferenzen auf wöchentlich wechselnden Plattformen und überforderte Lehrkräfte gehörten ebenso zum Schulalltag wie eingescannte Papier-Arbeitsblätter und spontane Stundenausfälle. Der Lernerfolg vieler Schüler – vor allem aus sozial schwächeren Familien – blieb oft auf der Strecke. „Die durchschnittliche Kompetenzentwicklung während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 ist als Stagnation mit Tendenz zu Kompetenzeinbußen zu bezeichnen und liegt damit im Bereich der Effekte von Sommerferien“, urteilt etwa Dr. Andreas Frey, der an der Goethe-Universität Pädagogische Psychologie lehrt und Autor einer Studie zum Thema ist.

Auch eine repräsentative Bitkom-Befragung zeigt: Die überwiegende Mehrheit der Eltern hatte beim Homeschooling mit technischen und anderen Problemen zu kämpfen. Die meisten räumen jedoch auch ein, dass sich in der Corona-Krise in Bezug auf die Digitalisierung viel bewegt hat. Eine große Mehrheit spricht sich dafür aus, dass die Digitalisierung der Schulen entschieden vorangetrieben werden sollte.

Geld allein genügt nicht

Der Bund stellt den Ländern für die Digitalisierung der Schulen bis 2024 rund 6,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Immer häufiger werden diese Mittel auch abgerufen. Trotzdem sind noch lange nicht alle Bildungseinrichtungen auf einem guten Weg.

Fest steht: Soll die Digitalisierung in der Bildung nachhaltig wirken, sind grundlegende Umstrukturierungen unumgänglich. Digitale Endgeräte für alle Schüler und Lehrer sind hier zweifellos eine wichtige Voraussetzung. Ohne eine leistungsfähige Infrastruktur, geeignete Lerninhalte sowie Know-how bei deren Benutzung taugen sie allerdings wenig. So verfügen längst nicht alle Schulen über Breitband-Internet und WLAN in allen Räumen. Die Folgen zeigen sich beispielsweise beim Hybrid-Unterricht: Sollen Schüler aus der Quarantäne dem Unterricht vor Ort zugeschaltet werden, gelingt das häufig in nicht ausreichender Übertragungsqualität.

Digitale Kompetenz fehlt

Ein weiteres Problem ist die fehlende Digital-Kompetenz in vielen Schulen. Sie führt dazu, dass entweder ungeeignete Geräte und Software angeschafft werden oder die Devices und Programme von den Lehrern nicht genutzt werden. Überdies zeigen sich bei den Lernmaterialien die Fehler, die bereits aus den Anfängen der Digitalisierung in Unternehmen bekannt sind. Analoge Materialen und Prozesse werden unreflektiert in die digitale Welt übernommen. Eine in der Wirtschaft längst bekannte Erkenntnis gilt auch für den Bildungssektor: Hardware allein genügt nicht! Ohne geeignete Plattformen, Apps und Lösungen ist die Mission digitale Schule zum Scheitern verurteilt. Dass anspruchsvolle IT-Lösungen auch administriert werden müssen, wird vielfach nicht bedacht. Mit dramatischen Folgen: Es fehlt in den Schulen an einer einheitlichen Digitalisierungsstrategie und die Lehrerschaft ist darauf angewiesen, dass engagierte Kollegen die Administration sozusagen „nebenbei“ erledigen. Eine Situation, die nicht nur in Sachen IT-Sicherheit unhaltbar ist, sondern vielfach auch die Weiterentwicklung in diesem Bereich massiv ausbremst.

Fazit: Damit die Digitalisierung im Bildungssektor tatsächlich und nachhaltig gelingen kann, können und dürfen sich Schulen nicht ausschließlich auf ihre Inhouse-Kompetenz verlassen. Ziel muss es sein, zusammen mit Experten eine belastbare Digitalisierungsstrategie zu entwickeln und gemeinsam mit IT-Administratoren auch nachhaltig umzusetzen. Dazu gehört es auch, zukunftsgerichtet weiterzudenken.