Bluetooth

Von Corona-Warnungen bis Kuh-Fitness

Corona-Warn-Apps arbeiten mit Bluetooth Low Energy. Das hat dort wie in vielen anderen Anwendungen entscheidende Vorteile gegenüber der herkömmlichen Bluetooth-Technik.

Bluetooth Low Energy (BLE) steckt schon seit Jahren in Smartphones und vielen anderen Geräten. Aber wie das Contact Tracing von Corona-Warn-Apps, die auf der ganzen Welt im Gespräch oder schon im Einsatz sind, zeigt, hat der Funkstandard nach wie vor seine Berechtigung. Er ermöglicht neue, moderne Anwendungen. Die große Stärke dieser Bluetooth-Variante im Vergleich zum klassischen Bluetooth steckt schon im Namen: Low Energy weist auf die Energiesparsamkeit hin. Mit einer Knopfzelle als Energiequelle sollen sich BLE-Sensoren Monate oder sogar Jahre betreiben lassen. Im Fall der Corona-Warn-App bedeutet die Energiesparsamkeit, dass sich Anwender nicht um ihren Smartphone-Akku sorgen müssen, wenn das Gerät ständig misst, wie nah es anderen Nutzern der App ist. Auch in Smart Watches und Fitnesstrackern ist Akkukapazität knapp und BLE daher verbreitet, um Daten auszutauschen.

Internet of Things und Beacons Aber mit am interessantesten wird BLE durch seine Sparsamkeit für Internet-of-Things-Geräte wie winzige Sensoren, die so, ohne auf eine Steckdose angewiesen zu sein, schnell, massenweise und wartungsarm eingesetzt werden können. Hinzu kommt, dass Bluetooth LE eine Mesh-Vernetzung erlaubt, sodass Daten von einem Sensor über den nächsten weitergeleitet werden können, bis sie etwa an einem Server ankommen. Fällt ein Sensor im Netzwerk aus, beeinträchtigt das die anderen nicht. Anwendungen dafür gibt es sowohl in der Industrie, wie auch im Handel oder der Land- oder Viehwirtschaft. Eine Art Fitnesstracker an einer Kuh kann deren Aktivität messen und Rückschlüsse auf fruchtbare Tage oder die bevorstehende Geburt eines Kalbs erlauben. Mehr oder weniger gefloppt sind Bluetooth-Beacons, die wie ein Leuchtturm ein Signal ausstrahlen und so Smartphones in der Nähe ansprechen können. Sie sollten das Einkaufserlebnis verändern, indem sie etwa Angebote auf den Smartphones der Kunden erscheinen lassen, wenn diese genau vor dem entsprechenden Produkt stehen. Immerhin in Museen sind die Beacons öfter anzutreffen – nicht als veraltete Technik, sondern um in Audioguide-Apps stets die passenden Inhalte abzuspielen.

Eine Milliarde Geräte pro Jahr Audio soll auch die Zukunft von Bluetooth LE ganz entscheidend mitbestimmen. Anfang des Jahres hat die Bluetooth Special Interest Group (SIG), das Standardisierungsgremium hinter der Technik, Bluetooth Low Energy Audio vorgestellt. Die Tonqualität sei besser als bei klassischem Bluetooth Audio, heißt es in der Ankündigung, selbst bei halbierter Datenrate. Ein Broadcast-Feature soll es ermöglichen, dass unbegrenzt viele Kopfhörer den Audiostream von einem Gerät gleichzeitig empfangen können. Das ist beispielsweise in einem Fitnessstudio vorstellbar, um den Ton von Fernsehern auf die Kopfhörer der Sportler zu funken. Wegen des geringen Stromverbrauchs soll BLE Audio die Laufzeit von Geräten verlängern oder es ermöglichen, kleinere Akkus zu verbauen. Auch für Hörgeräte mit ihren kleinen Batterien soll BLE Audio geeignet sein, sodass sie sich etwa direkt mit einem Fernseher, einer Stereoanlage oder einem Telefon verbinden lassen. Die Finalisierung des Standards steht kurz bevor, aber kompatible Geräte seien schon in der Entwicklung, versichert der Vize-Marketing-Chef der SIG, Ken Kolderup. Mindestens eine Milliarde BLE-Audio-Geräte sollen in Zukunft jedes Jahr produziert werden. Eine hohe Marktdurchdringung und Kompatibilität über Herstellergrenzen hinweg war immer eine Stärke von Bluetooth. Das ist schließlich auch der Grund, weshalb die Corona-Warn-App auf der Technik aufbaut – damit sie funktioniert, ist eine weite Verbreitung unabdingbar.