Deutschland ist online – und zwar immer öfter

Einer aktuellen Studie zufolge sind die Menschen in Deutschland durchschnittlich 56 Stunden in der Woche online. Das Smartphone dient dabei am häufigsten für den Zugang, während ein anderes Mobilgerät nicht so recht Fuß fasst.

Die Menschen in Deutschland verbringen einen immer größeren Teil ihres Lebens mit der Online-Nutzung: Im Schnitt surfen sie gut 56 Stunden pro Woche im Netz - also rund acht Stunden am Tag, Sonn- und Feiertage eingeschlossen! Das geht aus einer repräsentativen Studie der Postbank hervor. Die Zahl klingt beinahe dramatisch, doch man sollte bedenken, dass etwa auch die Nutzung von Musikstreaming oder der Online-Konsum von Filmen hier mitzählen.

Nichtsdestotrotz weist die Entwicklung der Nutzungszeit kontinuierlich nach oben: Im Vorjahr waren es etwa sechs Stunden weniger, vor fünf Jahren wurden noch 16 Stunden weniger im Netz verbracht. Menschen zwischen 18 und 39 Jahren surfen noch einmal deutlich mehr: Die Digital Natives sind im Schnitt 74,6 Stunden pro Woche online. Bei den über 40-Jährigen sind es knapp 48 Stunden. Die Daten wurden vor dem Ausbruch der Corona-Epidemie in Deutschland erhoben und die Arbeitszeit wurde miteinbezogen. Smartphone als zentraler Schlüssel Die meisten Menschen in Deutschland (79 Prozent) nutzen laut der Studie ihr Smartphone, um ins Netz zu gehen. Das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (2019: 76 Prozent). Das Smartphone hängt damit das Notebook (71 Prozent) weiter ab. Auch hier macht die Altersgruppe einen bedeutenden Unterschied: 91 Prozent der Digital Natives surfen mit dem Handy. Bei den über 40-Jährigen waren es knapp drei Viertel der Befragten.

Doch auch Desktop-PCs und Notebooks dienen dem Zutritt ins World Wide Web. Hier gab es im Vergleich zum Vorjahr kaum eine Veränderung. Über die Hälfte nutzt feste Tischrechner (58 Prozent), 70 Prozent surfen mit dem Laptop. Tablet-PC, die in der Baugröße meist zwischen Notebook und Smartphone angesiedelt sind, können sich hingegen nicht vollends etablieren. Zum Tablet greift nur knapp jeder Zweite (47 Prozent). Einen intelligenten Sprachassistenten verwendet erst jeder Zehnte, wobei Siri & Co. meist nur kurze Informationen aus dem Web liefern („Das Wetter wird heute sonnig und mild“).

Corona beschleunigt Regelmäßige Konferenzen vom Homeoffice aus mittels Teams, Zoom & Co. werden bis zum Ende der Corona-Krise dafür sorgen, dass das Web noch weiter in unser Leben rückt. Durch Online-Unterricht werden auch Schüler und Studierende ihre Onlinezeiten weiter ausdehnen.

Unser immer virtuelleres Geschäfts- und Privatleben macht aber auch deutlich, dass die Internet-Infrastruktur in Deutschland dringend weiter ausgebaut werden muss. Hier wurde in den letzten Jahren viel versprochen, doch viele Projekte ziehen sich unendlich hin. Neue, leistungsstarke Glasfaserleitungen (FTTH) werden in Sonntagsreden immerzu gefordert, doch tatsächlich stehen sie – Stand Juni 2020 – nur rund 2,3 Prozent der Bevölkerung zur Verfügung. Lettland ist hier im europäischen Vergleich führend (50,3 Prozent), Spanien befindet sich mit 44 Prozent Anteil auf Platz drei. Unser immer stärkerer Einzug in die Online-Welt birgt aber auch Risiken: Wir laufen allesamt Gefahr, zu wahren „Internet-Junkies“ zu werden. Gereiztheit, Unruhe, Traurigkeit und Konzentrationsprobleme können Anzeichen dafür sein, dass man mit einem Suchtproblem zu kämpfen hat. Wer sich dabei „erwischt“, mit stundenlangen Computerspielen negative Gefühle zu regulieren, sollte sich an eine Suchtberatung wenden. Das gilt für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

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